• GRÄSERBESTAND GRÜNS / BLÜTE DER JÄHRIGEN RISPE / PITCHMARKEN

    Poa annua zwischen kurz gemähtem Rotschwingel.

     

    In der Regel und im Idealfall (z.B. auf neu angelegten Grüns) besteht die Grasnarbe eines Grüns entweder aus einem reinen Bestand Flechtstraussgras (Agrostis stolonifera), einem reinen Bestand Rotschwingelgras (Festuca rubra) oder aus einer Mischung beider Gräser. Die Agrostis-Gräser sind aggressiv im Narbenschluss und äußerst tiefschnittverträglich.
    Die Rotschwingelarten sind ebenfalls gut tiefschnittverträglich und sind sehr trockenresistent.


    Leider wandern in unseren Breitengraden über die Jahre Fremdarten in den Gräser Bestand ein. Das häufigste sogenannte Ungras ist die jährige Rispe (Poa Annua). Sie verträgt den tiefen Sch
    nitt auf den Grüns sehr gut. Poa annua ist weltweit eine natürlich vorkommende Gräser Gattung, und somit auch auf unseren Fairways, in den Roughs und den Grünumgebungen stark vertreten. Durch Wind, Maschinen und Personen gelangen die Samen auch auf die Grüns und finden ihre Eingangspforte insbesondere in nicht ausgebesserten Pitchmarken, Spikemarken und sonstigen offenen Verletzungen (z.B. Schneeschimmelflecken) des Grüns. Poa annua ist sehr konkurrenzfähig gegenüber neu gezüchteten, ursprünglich eingesäten Sorten. Inzwischen bestehen 50-75% unserer Grüns aus dieser jährigen Rispe. Das ist im mitteleuropäischen Vergleich absolut normal! Leider hat dieses Gras entscheidende Nachteile. Es ist z.B. weniger krankheits- und trockenresistent. Als jähriges Gras ist seine Überlebensstrategie ständiges Blühen und Absamen. Der Höhepunkt dieser Strategie wird im Mai und Juni erreicht. Oft erscheinen dann die Grüns silbrig hell. Am Morgen abgemähte Blütenstände schiessen in wenigen Stunden nach. Dies beeinflusst besonders die Putteigenschaften (Treue und Geschwindigkeit) entscheidend.

    Wir halten dagegen!                                                            

    Mit regelmässigen Nachsaaten der erwünschten Flechtstraussgräser, versuchen wir deren Bestand zu erhöhen. Mit regelmässigen leichten Besandungen, versuchen wir die “Laufeigenschaften” der Grüns zu verbessern. Der Eintrag von Düngern, besonders Phosphaten, wird auf ein erträgliches Minimum reduziert. Wir spritzen Pflanzenhilfsstoffe, die die Blütenbildung behindern sollen. Ein Grünmäher ist mit speziellen Bürsten (Broomer) ausgestattet, die ein besseres Abmähen der Blütenstände versprechen.

    Auch der Golfspieler kann durch konsequentes Reparieren seiner Pitchmarke einen entscheidenden Beitrag in diesem Bemühen leisten!

     

    Vielen Dank!

    Gabriel Diederich

    Head Greenkeeper

     

     

    Poa annua Nester (helle Flecken) auf einem Golfgrün.